Die Drogendealer wechselten ständig ihre Handynummern, die Fahnder verloren sie deshalb immer wieder aus dem Blick. Doch im Jahr 2011 gelang es den Beamten trotzdem, die Bande aus Seattle dingfest zu machen. Ins Netz gingen den Polizisten nicht nur die Händler, sondern auch 136 Kilogramm Kokain und 2,2 Millionen US-Dollar. Zu verdanken haben sie den Fahndungserfolg offenbar einem geheimen Überwachungsprogramm namens Hemisphere und einer Zusammenarbeit mit der Telefonfirma AT&T.

Über diese Kooperation war bisher nichts bekannt, doch was darüber nun an die Öffentlichkeit dringt, zeigt: In den USA interessieren sich nicht nur Geheimdienste brennend dafür, wer mit wem Kontakt hat und wann und wie lange telefoniert. Die Drug Enforcement Administration (DEA) und lokale Behörden unterhalten ein eigenes Programm, das hierzulande einer extrem ausgeweiteten Vorratsdatenspeicherung entsprechen würde. Wie die New York Times unter Berufung auf interne Dokumente berichtet, übersteigt der Umfang der für die Drogenfahnder gespeicherten Telefondaten sogar jene Datenmengen, die sich die NSA von den Mobilfunkfirmen aushändigen lässt.

Demnach enthält die Datenbank, die von AT&T gepflegt wird und auf die verschiedene Behörden seit mindestens sechs Jahren einen unkomplizierten Zugriff haben, unzählige Telefondaten. Darunter befinden sich die Nummern der Gesprächsteilnehmer, aber auch die Uhrzeiten und die jeweilige Dauer der Gespräche, in einigen Fällen auch Positionsdaten. 

Jeden Tag wächst die Datenbank um rund vier Milliarden Daten, ihre ältesten Einträge reichen bis in das Jahr 1987 zurück. Aufgenommen werden aber nicht nur die Daten von AT&T-Kunden, sondern auch Informationen zu Gesprächen, die nur über AT&T vermittelt werden.

 

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http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-09/att-vorratsdaten-drogenfahnder