Wodurch entsteht niedriger Blutdruck?

niedriger blutdruckBei Personen mit niedrigem Blutdruck kann bei längerem Stehen oder in überhitzten Räumen das Blut in den Beinen versacken. Denn bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße und es kommt zusätzlich zu Flüssigkeitsmangel. Akut gilt dies auch für den schnellen Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen. Der Arzt kann den Blutdruck im Liegen und kurz nach dem Aufstehen messen, um festzustellen, dass hier zumeist ein Blutdruckabfall eintritt.

Wenn niedriger Blutdruck in den Arterien sinkt, gelangt weniger Blut in das Gehirn, so dass auch weniger Sauerstoff das Gehirn erreicht. Daher kommt es zu dem gefürchteten Schwarzwerden oder Flimmern vor den Augen, Schwindel, Ohrensausen oder sogar Ohnmacht. Menschen mit plötzlichem Blutdruckabfall kollabieren in manchen Fällen sogar. Den Vorgang mit der Mangeldurchblutung des Gehirns nennt man auch orthostatische Dysregulation.

Wenn es beim niedrigen Blutdruck zur schlechteren Durchblutung kommt, wird das sogenannte sympathische Nervensystem aktiviert. Er fungiert als Gegenreaktion. Die Herzfrequenz steigt an, d.h. der Puls wird schneller. Oft frieren oder schwitzen die Betroffenen. Bei einem akuten Blutdruckabfall sollte man sich hinlegen und die Beine hochlagern, beispielsweise mit Hilfe eines Kissens (circa 45 °). Das hierdurch zurückfließende Blut aus den Beinen sorgt dafür, dass auch das Gehirn wieder besser durchblutet wird. Die Beschwerden gehen in der Regel nach kurzer Zeit schon zurück.

Niedrige Blutdruckwerte

niedriger blutdruckNach Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Frau zu niedrigen Blutdruck, wenn der obere Wert unter 100 Millimeter Quecksilbersäule liegt, bei Männern unter 110. Ob es bei diesen Messwerten aber auch zu Beschwerden kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Zum Vergleich: Bei 120 zu 80 spricht man von einem normalen Blutdruck, bei 140 zu 90 von einem hohen Blutdruck (Hypertonie). Während Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, sinkt bei niedrigem Blutdruck die Wahrscheinlichkeit von anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Rund zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden der Herzstiftung zufolge an zu niedrigem Blutdruck. Das kann die Folge einer organischen Erkrankung sein – etwa einer Unterfunktion der Schilddrüse, einer Blutarmut oder einer schweren Herzschwäche. “Bei Patienten mit niedrigem Blutdruck muss der Arzt daher zunächst die organischen Hintergründe abklären”, erklärt Ingolf Dürr vom Deutschen Grünen Kreuz in Marburg.

Bei einer weiteren Form der Hypotonie versackt das Blut beim raschen Aufsetzen oder Aufstehen in den Beinen. “Wir Menschen waren es 30000, 40000 Jahre gewohnt, auf allen Vieren zu gehen – und als wir uns aufgerichtet haben, mussten wir unseren gesamten Kreislauf umstellen”, sagt Prof. Andreas Schuchert, Herzspezialist in Neumünster (Schleswig-Holstein). Bei bestimmten Erkrankungen bleibe das Blut in der unteren Körperpartie, im Kopf komme kaum noch etwas an. “Man hat festgestellt, dass das Gehirn bei Menschen mit niedrigem Blutdruck etwas schlechter durchblutet ist”, sagt Klaus.

Und wie lässt sich der Kreislauf wieder in Schwung bringen? An erster Stelle stehen viel Bewegung und eine vernünftige Ernährung – viel Obst und Gemüse, aber auch Hühnersuppe und Fleischbrühe. “Man muss auf genug Flüssigkeit kommen”, sagt Grebe. Patienten mit niedrigem Blutdruck können auch ruhig stärker salzen – schließlich wird dadurch mehr Flüssigkeit im Körper gebunden, und der Blutdruck steigt. Grebe empfiehlt zudem Wechselduschen, Wassergymnastik und “sehr viel Schwimmen”: “Diese Dinge helfen wahnsinnig gut.”

Ein Aufenthalt in klimatischen Reizzonen, etwa an der Nordsee oder im Hochgebirge, sei ebenfalls empfehlenswert, betont Klaus. “Und schon vor dem – langsamen – Aufstehen sollte man ein Glas Wasser trinken.” Wenn all diese Maßnahmen nicht ausreichen, können Grebe zufolge Medikamente den Kreislauf ankurbeln – zum Beispiel Tropfen, die sehr schnell wirken. “Alles unter einem Blutdruck von 90 zu 60 würde ich medikamentös unterstützen.”

Dauerstress kann einen niedrigen Blutdruck noch weiter absinken lassen. “Eigentlich wird der Blutdruck durch negativen Stress angehoben, weil sich dann die Gefäße verengen – aber wenn man dauernd Stress hat, versagt diese Rettungsfunktion des Körpers”, erläutert Grebe. Sein Tipp: “Man sollte versuchen, den negativen in positiven Stress umzuwandeln – indem man wieder Freude am Leben hat.”

Im Gegensatz zu Bluthochdruck ist niedriger Blutdruck in der Regel kein Gesundheitsrisiko. “Es muss nicht sein, dass niedriger Blutdruck Beschwerden verursacht”, sagt Prof. Dieter Klaus von der Deutschen Herzstiftung. Sogar Hochleistungssportler können unter niedriger Blutdruck leiden. Auch große Menschen und junge, schlanke Frauen sind häufig betroffen – die Ursache dafür ist laut Klaus aber noch unklar. Von der Hypotonie als Krankheit wird erst dann gesprochen, wenn der Blutdruck nicht mehr ausreicht, um eine gute Durchblutung der Organe zu gewährleisten. Mögliche Anzeichen sind Müdigkeit oder Schwindel.